„Mein Haus, meine Sauna, mein See!“ So erlebten Schülerinnen und Schüler der Dreiberg-Schule Knetzgau Finnland. Sie waren zusammen mit Vera Paulus und Lehrer Roland Mayer zum ersten Schüleraustausch bei der finnischen Partnerschule in Pertunmaa. Deutschlehrerin Niina Järvinen hatte – unterstützt von ihren Kolleginnen – ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.

Der Gemeindebus hatte die sieben Schüler und ihre Begleiter nach Frankfurt zum Flughafen gebracht. Nach der – von leichten Turbulenzen begleiteten – Landung in Helsinki wurde mit einem Mietauto die zweistündige Fahrt nach Pertunmaa, einer Gemeinde mitten in der finnischen Seenplatte, angetreten. Dort warteten bereits Schulleiterin Sari Mäkeläinen, die Deutschlehrerinnen Niina Järvinen und Anne Tonteri zusammen mit einigen Kolleginnen, Schülern und den Gasteltern auf die Besucher aus Deutschland. Nach einem gemeinsamen Essen in Pertunmaan yhtenäiskoulu wurden die Schüler von ihren Gastfamilien in Empfang genommen. An den folgenden Abenden lernten die deutschen Schüler viel von der finnischen Lebensweise kennen. Es machte allen Spaß, in der Sauna zu schwitzen und anschließend ein kühles Bad in einem finnischen See zu nehmen. Davon gibt es allein in Pertunmaa 150, die größer als zwei Hektar sind.

Kanu in Finnland
Am nächsten Morgen versammelten sich alle Schüler und Lehrer in der Aula. Rektorin Mäkeläinen stellte die deutschen Schüler vor, der Schülersprecher begrüßte sie auf Englisch und der Schulchor sang finnische Volkslieder. Nach einer Führung durch die Schule nahmen die Knetzgauer an einigen kurzen Unterrichtseinheiten teil und gewannen so einen Einblick in das finnische Schulleben. Im Deutschunterricht wurden die Knetzgauer interviewt und nach ihrer Familie, ihrem Freizeitverhalten und ihren Lieblingsfächern in der Schule befragt. Da die Finnen kurz vor den Sommerferien stehen, fand mancher Unterricht in lockerer Atmosphäre statt. So vergnügten sich die Schüler auf dem angrenzenden See mit Ruderwettbewerben, wobei die Knetzgauer ihren finnischen Gastgebern großzügig den Sieg überließen. Dafür staunten die Schüler aus Pertunmaa nicht schlecht, als die Knetzgauer beim Angeln innerhalb kürzester Zeit mehrere Fische aus dem See zogen. Emily Senz hatte die meisten Fische am Haken. Ihr Freund, so erzählt sie, hatte ihr das Angeln beigebracht. Am Nachmittag wurden die Besucher mit typisch finnischen Speisen in der Mensa verwöhnt.

Helsinki, die finnische Hauptstadt, war das Ziel am Mittwoch, dem dritten Tag des Aufenthalts. Bei einer Stadtrundfahrt wurden berühmte Sehenswürdigkeiten angesteuert und bedeutende Daten zur Geschichte Helsinkis erzählt. Danach nahm man einige Zeit an einer Sitzung in Eduskanta teil, dem finnischen Parlament, Thema war die Entwicklungshilfe. Auch ein Empfang durch den Abgeordneten Jari Leppä aus Pertunmaa stand auf dem Programm. Nach einer Freizeit im Zentrum Helsinkis stand ein Besuch im Vergnügungspark Linnanmäki an. Hier konnten die Schüler bei einem dreistündigen Aufenthalt die zahlreichen Fahrgeschäfte ausgiebig nutzen. Spät in der Nacht kam man wieder in Pertunmaa an.

Eine Wanderung durch den Naturpark Repovesi bot atemberaubende Weit- und Tiefblicke auf die wald- und seenreiche finnische Landschaft. Unter Führung einer Naturparkrangerin ging es auf schmalen Pfaden und steilen Stiegen bergauf und -ab durch den abwechslungsreichen Park, mit einem Floß wurde der See überquert, der Rückweg führte über eine zehn Meter hohe, luftige Hängebrücke. Am Rastplatz konnten sich die Schüler mit Würsten vom Grill über dem offenen Feuer stärken.

Auf dem Floß

Am Freitag hieß es Abschied nehmen von Pertunmaan yhtenäiskoulu, der finnischen Partnerschule. Unvergessliche Erlebnisse hatte jeder Schüler im Gepäck, besonders Begegnungen mit einem Elch vor dem Haus oder einer Schlange auf dem Weg blieben haften. Und natürlich Erinnerungen an besonders gastfreundliche Familien, nette Gastschüler und freundliche Lehrerinnen. Die Kommunikation zwischen den finnischen und deutschen Schülern fand vorwiegend auf Englisch statt, anfänglich noch etwas reserviert, wurde die englische Sprache verinnerlicht. Dies zeigte sich, als der Lehrer einer Schülerin auf Deutsch eine Frage stellte und diese auf Englisch antwortete. Philipp Ender meinte sogar: „In diesen paar Tagen habe ich mehr Englisch gelernt als in der Zeit vorher.“ Er war zusammen mit seinem Klassenkameraden Fabian Pohli bei einer „netten, freundlichen Familie“ untergebracht. Man saß viel zusammen und tauschte sich aus. Verständigungsprobleme gab es kaum, bei schwierigen Fällen verwendete man Fotos zum Erklären des Sachverhalts. Die gemeinsamen Saunabesuche oder das Baden im kalten Wasser eines finnischen Sees werden den beiden Knetzgauer Buben ebenso in Erinnerung bleiben wie das Mähen mit einem Aufsitzrasenmäher oder die Quadfahrten im Gelände.

Laura Baiersdorfer bedauerte, dass ihr Englisch nicht noch besser wäre, um sich noch intensiver mit ihrer finnischen Gastschülerin unterhalten zu können. Doch was die beiden sich zu sagen hatten, klappte ausgezeichnet. Durch die vielen Seen und die weiten Wälder sei Finnland ein sehr interessantes Land, meint sie. „Ganz anders als Deutschland“, weil es weniger Industrie und weniger Besiedelung gibt. Besonders gefallen haben ihr die schönen Häuser, die oft direkt an einem See liegen. Einen Wehmutstropfen fand sie allerdings auch: „Das Shoppen in Finnland ist viel teurer als bei uns.“ Ähnliche Erfahrungen machte ihre Klassenkameradin Emily Senz, die in ihrer Gastfamilie rasch Anschluss fand und viel mit den Kindern der Gastfamilie spielte. Das Programm hat ihr gut gefallen, es war „interessant und abwechslungsreich“. Sie würde sich sofort wieder für einen Schüleraustausch anmelden und rät allen, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen.

Über die Hängebrücke

Für die Schüler war es der erste Besuch in Finnland. Möglich wurde er dank der großzügigen Unterstützung der Gemeinde Knetzgau, des Elternbeirats und des Fördervereins der Dreiberg-Schule sowie der Firma Uponor.

Dieser erste Schüleraustausch stellt den Beginn einer Partnerschaft zwischen der Dreiberg-Schule in Knetzgau und der Schule in Pertunmaa dar. Im nächsten Schuljahr erwarten die Knetzgauer finnische Schüler zu einem Gegenbesuch.

Weitere Informationen:
Artikel in der Mainpost zum Vorbesuch in Finnland
Artikel bei in Franken.de zum Vorbesuch in Finnland
Artikel der Mainpost zum Gegenbesuch der finnischen Lehrer
Artikel der Mainpost über den Besuch eines finnischen Reporters an der Schule